150 Jahre Rudolf Steiner

Kongress: 1.-3. Oktober 2011 - Berlin
ANTHROPOSOPHIE IN ENTWICKLUNG
1861 • 1925 • 2011

Eine Erweiterung von
Anthropologie, Wissenschaft, Kunst, Praxis


EINFÜHRUNGSVORTRAG

DIE GEBURT DER ANTHROPOSOPHIE AUS DER EUROPÄSCHEN GEISTESGESCHICHTE
Mit Rahel Uhlenhoff, Berlin
Die ganzheitliche Wissenschaft von Mensch, Gesellschaft, Erde und Kosmos trat in der Antike als Philosophie, im Mittelalter als Theologie und in der Moderne in Ausgrenzung von der materialistischen Naturwissenschaft als spirituelle Alternative hervor: kurzum als Anthroposophie. Rudolf Steiner brachte die Anthroposophie in vier Phasen zur Welt: erst philosophisch, dann spiritualistisch, bald künstlerisch und schließlich praktisch. Erst in der praktischen Phase differenzierten sich aus der Anthroposophischen Muttergesellschaft jene Tochterbewegungen heraus, die in der Gesellschaft Schule machten und hier und heute Kongressthema sind: die anthroposophischen Berufsbereiche.

MODULE

INKLUSION UND WALDORFPÄDAGOGIK
Chancen und Herausforderungen für die Zukunft

Mit Ulrike Barth, Berlin
Inklusion ist eine philosophische und gesamtgesellschaftliche Fragestellung. Gerade die Waldorfschule bietet ideale Voraussetzungen sich der Herausforderung einer inklusiven Lern- und Lebens-Gemeinschaft zu stellen.

DER BLICK AUF DEN ANDEREN MENSCHEN Heilpädagogik und Sozialtherapie auf anthroposophischer Grundlage und der neue Behinderungsbegriff
Mit Johannes Denger, Kassel
Der Blick auf den anderen Menschen hat den Charakter einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Wir wissen aus der neueren Physik, dass das Beobachten das Beobachtete verändert. Ganz ähnlich ist es beim Blick auf den Mitmenschen. “Das Gewahrwerden der Idee in der Wirklichkeit ist die wahre Kommunion des Menschen.” (R. Steiner) Kann Anthroposophie helfen, so auf die Wirklichkeit des anderen Menschen zu schauen, dass er sich in seiner Idee, in seinem Sosein offenbaren kann?

SALUTOGENETISCHE MEDIZIN
Mit Jan Feldmann
Gesundheit ist ein dynamisches Gleichgewicht, welches zu jedem Zeitpunkt des Lebens gestaltet und erobert werden muss. Der Verlust, bzw. die Vereinseitigung dieses Gleichgewichtes mündet in Krankheit. Die Aufrechterhaltung von Gesundheit wird durch den ganzen Menschen als körperlich-seelisch-geistiges Wesen geleistet. Welches sind die Kräfte, die das labile Gleichgewicht herstellen, die uns gesunden lassen? Was lässt uns erkranken? Wo liegen die Quellen unserer Gesundheit und wie können wir diese gezielt aktivieren? Was können wir durch unsere Lebensgestaltung zur Herstellung einer Gesundheit beitragen?

DIE ÜBERSINNLICHE WAHRNEHMUNG UND DER ANTHROPOSOPHISCHE SCHULUNGSWEG
Mit Frank Burdich, Krefeld
Anthroposophie ist Weltanschauung, Wissenschaft und Schulungsweg. Sie geht davon aus, dass alle Dinge, Wesen und Strukturen aus einer geistigen Welt heraus konstituiert sind. Sie zeigt einen Weg der Selbsterkenntnis und Selbstverwandlung, der es ermöglicht, einen eigenen Zugang zu den höheren Welten zu erlangen. Diese übersinnliche Wahrnehmung erfolgt mit klarem, wachem Bewusstsein und ist durch eine eindeutige Methodik gekennzeichnet. Der Schulungsweg hilft uns auch, persönlich mit unseren Aufgaben klarer, kraftvoller und achtsamer in der Welt zu stehen.

ALLGEMEINE MENSCHENKUNDE
Die Viergliedrigkeit des Menschen

Mit Jasmin Mertens, Berlin
Die Aufgaben von Ätherleib, Seele und Ich (Bewusstsein) im physischen Dasein. Der Mensch ist das einzige Wesen auf der Erde, das aus 4 Teilen besteht. Was ist die jeweilige Aufgabe dieser Teile in uns? Wie unterscheiden sich diese Welten und wie sind sie in uns verbunden? Im Seminar wollen wir mit Übungen aus den Bereichen der Eurythmie und der Meditation versuchen, ein Gefühl für die Qualitäten dieser verschiedenen Teile in uns zu entwickeln.

ANTHROPOSOPHIE UND WISSENSCHAFT IM DIALOG
Mit Rahel Uhlenhoff, Berlin
Die Anthroposophie beansprucht eine spirituelle Wissenschaft zu sein. Eine Provokation für die materialistische Wissenschaft, für welche die Wissenschaft sie seit 100 Jahren als Pseudowissenschaft ausgrenzt. Doch seitdem die anthroposophischen Berufsfelder in der Gesellschaft angekommen sind, nimmt sich auch die Wissenschaft der Anthroposophie als Forschungsthema an. Zu Beginn dieses 150. Geburtstagsjahres haben gleich drei akademische Autoren Rudolf Steiner-Biographien vorgelegt und damit das öffentliche Interesse an dem Begründer der Anthroposophie geweckt. Im Seminar werden wir den Fragen nachgehen: Wie betrachten und beurteilen diese Wissenschaftler die Anthroposophie und wie Anthroposophen diese Wissen schaftsresultate? (Ausschließlich Modul I)

DIE GEISTIGE TIEFE DER WELT IN EMPIRISCHER BEOBACHTUNG
Eine neue kopernikanische Wende in Naturwissenschaft und Weltbetrachtung

Mit Ralph Boes, Berlin
Im christlichen „Mittelalter“ hat der Mensch die Welt so betrachtet, wie es seinem religiösen Innenerleben entsprach. Er sah sich als die Krone der Schöpfung und die Erde im Mittelpunkt der Welt. Durch Kopernikus wurde er dazu geführt, die Welt so zu betrachten, wie es der rein äußerlichen Wahrnehmung entspricht. Der Kosmos ist ein Thema der Physik geworden. Die nächste große Wende wird dazu führen, das auf diesem Wege verlorene „Geistige“ des Kosmos nicht in einer vorhandenen Religion, Weltanschauung oder Philosophie, sondern IM KOSMOS SELBST zu finden. Indem die Naturwissenschaft sich auf ihr ursprüngliches Erkenntnisideal besinnt, öffnet sie sich dazu den Weg.

ORGANISCHE ARCHITEKTUR
Mit Matthias Mochner, Berlin
Die organische Architektur, der Bauimpuls Rudolf Steiners, erweist sich als eine gegenwärtige und vielleicht mehr noch künftige Forderung des Zeitgeistes im Lichte folgenden Frage: Wie entsteht das Lebendige in der Architektur? Wie entwickelt sich Architektur aus der geistigen Bestimmung des Menschen so, dass sie im sozialen Miteinander der Menschen Frieden stiftend wirkt? Und wie nährt sich Architektur ihrer eigenen geistigen Bestimmung: eine Kunst zu sein?

KÜNSTLERISCHES SCHAFFEN MIT LICHT UND FINSTERNIS
Mit Maria Neumair, Berlin
Das Licht strahlt in die Finsternis. Das Licht trägt gegenüber der Finsternis den Impuls zur Formgebung gegenüber dem Stoff in sich. Beim Zusammentreffen dieser beiden Kräfte entsteht ein bewegter (Seelen-)Raum. Im zweidimensionalen Spannungsfeld zwischen Licht und Finsternis werden wir mit Kohle den „Farbraum“ in seiner Vielfalt an Grautönen erarbeiten. Und im dreidimensionalen Raum nutzen wir den Ton als Gestaltungsmedium.

SPRACHE ALS SEELISCHER AUSDRUCK
Mit Jens Bodo Meier, Dornach
Was macht eine Arbeit an Atem, Stimme und Lautbildung „anthroposophisch“? Unter anderem ein feines Sensorium für Kräfte, die in der Luft; in Vokalen und Konsonanten existieren und uns Menschen mit der Welt bis hin zu den Sternen verbinden. Im Seminar werden wir uns den Zugang zur Sprache auf diese künstlerische Weise erarbeiten.

WAS MACHT EURYTHMIE ZU EINEM ZEITGEMÄSSEN TANZ?
Mit Sonja Zausch, Berlin
Was ist und was vermittelt Eurythmie im Verhältnis zu anderen Tänzen? Ballett stilisiert, das Deutsche Tanztheater theatralisiert den Körper. Jeder Tänzer interpretiert Musikund Theaterstücke gemäß seines subjektiven Stils. Doch könnte es nicht auch im Tanz objektiv allgemeingültige Bewegungsgesetze geben? In der von Rudolf Steiner vermittelten Eurythmie versucht der Eurythmist kosmisch objektive Ton- und Lautgebärden zu erleben, sie aus dem Erleben zu eurythmisieren und sich dadurch mit den Geisteskräften des Kosmos bewusst zu verbinden. Im Seminar werden wir mit Grundübungen zum Selbst-, Gruppen- und Raumerleben beginnen.

LANDWIRTSCHAFTLICHE DIMENSION ZUR ERHALTUNG DER ERDE
Mit Jakob Ganten, Berlin
Die biologisch-dynamische Landwirtschaft ist die älteste und konsequenteste Alternative zur industriellen Landwirtschaft. Die Agrarindustrie beutet den Boden aus. Der Biolandbau entnimmt der Natur dagegen nur soviel, wie sie sich selbst wieder regenerieren kann, wartet deren Regeneration aber passiv ab. Die biologisch-dynamische Landwirtschaft hilft darüber hinaus der Erde aktiv sich weiterzuentwickeln. Die Aufgabe des bio-dyn. Landwirts ist es, die „landwirtschaftliche Individualität“ als Wesen zu begreifen, ihr bei der Aufschließung für die kosmischen Einströmungen zu helfen und dadurch zu ihrem Entwicklungshelfer zu werden. Dieses (r)evolutionäre Selbstverständnis prädestiniert die Demeter-Bauern geradezu dazu, nach dem Prinzip der Ausbeutung und Nachhaltigkeit auch in der Gesellschaft Entwicklungshelfer eines neues Prinzips zu werden: dem der Fürhaltigkeit.

"GELD IST FÜR DIE MENSCHEN DA!"
Gestaltungsaufgabe "Social Banking"

Mit Werner Landwehr, Berlin
Ausgehend von den Grundgesten der Sozialen Dreigliederung und dem Sozialen Hauptgesetz, die eingangs für das zeitgenössische Verständnis dargestellt und von häufig damit verbundenen Missverständnissen abgegrenzt werden, gehen wir im im konstruktiven Gespräch mit den Teilnehmer/innen den folgenden Fragen nachgehen:
1. Was ist die Kernaufgabe der Wirtschaft? 2. Warum arbeiten wir? 3. Wo ist Wettbewerb förderlich und wo wird Kooperation gebraucht? 4. Warum dienen die Menschen dem Kapital und nicht das Geld den Menschen? 5. Wie können Banken mit sozial gebundenem Geld den Menschen dienen? 6. Wie kann man sinnvoll mit Geld umgehen? 7. Welche dauerhaften Rätsel sind mit dem „Versprechen auf Waren und Dienstleistungen“ verbunden?

ENTWICKLUNG VON SELBSTVERWALTUNG IST SOZIALE FUNDIERUNG VON FREIHEIT
Mit Hans Hutzel, Berlin
Selbstverwaltung ist weder Zweck an sich noch Spielwiese für unausgelastete MitarbeiterInnen, sondern unverzichtbare Voraussetzung unternehmerischen Tuns. Unternehmerisches Handeln ist der Weg zur Freiheit in Institutionen. Insofern ist Selbstverwaltung Herausforderung der Gegenwart, Gegengewicht zur Willkürfreiheit und Voraussetzung für gesellschaftliches Tun. Aber warum tun wir uns oft so schwer damit? Was sind die Gelingensbedingungen von Selbstverwaltung? Und was hat Selbstverwaltung mit Selbstverantwortung zu tun?

SOZIALE DREIGLIEDERUNG -
Wie kann ich die Gesellschaft verändern? ...

Mit Johannes Mosmann, Berlin
Was wir auch tun - Petitionen einreichen, gegen Atomstrom demonstrieren, Schule verweigern - es interessiert das System nicht. Die Politik entscheidet ohne die demokratische Mehrheit, die Atomstromproduktion wächst unaufhörlich, und die Bildung erstickt im Würgegriff von Staats- und Wirtschaftsmacht. Vielleicht liegt es ja daran, dass wir die richtigen Angriffspunkte nicht sehen? Rudolf Steiner hat jedenfalls 1919 in den „Kernpunkten der sozialen Frage“ Wege beschrieben, die weitaus radikaler sind als alles, was sich derzeit als sozialer Aktivismus auslebt. Diese Wege sind, trotz ihres Alters, neu, da sie nie beachtet wurden. Könnten die von Steiner empfohlenen praktischen Schritte zur Umgestaltung des Wirtschafts-, Staats-, und Bildungssystems effektiver sein als unsere derzeitigen Versuche?

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